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Am 3. Juni 2016 erschien in der Online-Ausgabe der Mittelbayrischen 
Zeitung ein Artikel, in dem berichtet wurde, dass der Neutraublinger 
Bürgermeister Heinz Kiechle im örtlichen Hallenbad einen Hinweis 
anbringen ließ, wonach das Baden „nur in allgemein üblicher Bekleidung 
gestattet“ ist. Mit diesem Schild bezieht er sich klar auf Burkinis, die 
von Neutraublinger Muslimas im Bad getragen wurden. Zugelassen seien 
jetzt nur noch Bikini, Badeanzug und Badehose. Er begründete seine 
Entscheidung damit, dass er für einzelne Bevölkerungsgruppen keine 
Ausnahmen schaffen wolle.

Diese Entscheidung ist für uns, die GRÜNE JUGEND Regensburg und 
Ostbayern, eine klare Form der Diskriminierung und Ausgrenzung von 
muslimischen Mitbürgerinnen, weshalb wir uns zum Handeln gezwungen 
sahen. Wir verfassten noch am gleichen Tag einen offenen Brief an 
Bürgermeister Kiechle.

Wir verurteilen die Aufspaltung der Gesellschaft unter dem Vorwand der 
verschiedenen Religionen. Diese Praxis hat es in der Geschichte mehrmals 
gegeben, aufgrund von Hautfarbe, Religion, Ethnie oder Sexualität. Wir 
sind schockiert darüber, dass daraus nicht gelernt wurde und dieser 
Fehler erneut begangen wird. Frauen aus dem öffentlichen Leben, in 
diesem Fall einem Besuch im Schwimmbad, auszuschließen wirkt wie ein 
makaberer erster Schritt in genau diese Richtung.

Weiter betonen wir bei unserer Kritik auch den Artikel 4 des deutschen 
Grundgesetzes, welcher jedem Menschen Religionsfreiheit und die Ausübung 
seines Glaubens garantiert. Durch das Verbot der Burkinis wird dieses 
Grundrecht eingeschränkt und ein fatales Zeichen für unsere Gesellschaft 
gesetzt. Der Islam wird als vermeintlich inkompatibel mit der christlich 
geprägten bayrischen Kultur dargestellt. „Der Islam gehört zu 
Deutschland“ ist nicht nur eine zutreffende Aussage, sondern ein 
Tatsachenbericht. 5% der deutschen Bevölkerung ist muslimischen
Glaubens, viele davon beziehungsweise deren Eltern oder Großeltern 
kommen ursprünglich aus der Türkei. Deswegen ist uns auch der Bezug zur 
/Haber Regensburg/ sehr wichtig: durch solche und ähnliche 
ethnozentristische und islamfeindliche Aussagen werden unbegründete
Sorgen von Bürger*innen mit Tatsachen untermauert. Es wird weiter Öl ins 
Feuer gegossen, was in einer fortschreitenden Radikalisierung und 
wachsenden Islamfeindlichkeit endet. Statt Annäherung wird Ausgrenzung 
vorgelebt. Dadurch wird radikalen Gruppierungen beider Seiten in die 
Hände gespielt, Rassist*innen und auch islamischen Extremist*innen.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung für andere Kulturen und Lebensweisen 
sinkt dadurch. Nicht nur verbal wird gegen Migrant*innen vorgegangen, 
sondern dies mündet auch immer häufiger in Straftaten. Das belegen die 
aktuell stark gestiegenen Zahlen von Gewaltverbrechen an Migrant*innen. 
Das darf nicht passieren! Angesichts der aktuellen Lage, in der 
Deutschland Geflüchteten aus Kriegsländern Schutz und Hilfe bietet, ist 
dies umso bedrohlicher.

Zu unserer liberalen Demokratie gehört, dass man tragen kann was man
möchte, egal ob Bikini oder Taucheranzug

Deswegen forderten wir in unserem offenen Brief vom 4. Juni 2016 die 
sofortige Aufhebung des „Burkini-Verbotes“, also die Beendigung des 
Badeverbots in laut Herrn Bürgermeister Kiechle unpassender Kleidung. 
Wir sehen das Burkini-Verbot als Vorbote weiterer Beschränkungen für 
unsere Mitbürger*innen anderer religiöser Überzeugungen und warnen vor 
einem Hinnehmen dieser Situation. Trotz dass es sich um eine Kleinstadt 
und einen (derzeit noch) Einzelfall handelt, sollte diese Situation als 
Bedrohung unserer freiheitlichen Ordnung wahrgenommen werden und sollte 
sich jede*r über dessen Brisanz im Klaren sein.

Theresa Eberlein, Sprecherin der GRÜNE JUGEND Regensburg

Mirjam Körner, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Ostbayern

veröffentlicht wurde diese Pressemitteilung von Der Mittelbayerischen 
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